2018 – Die wahre Jahresvorschau

Januar:

US-Präsident Donald Trump erschüttert die Medienwelt mit einem weiteren ungezügelten Tweet: Frauen, sie sich über sexuelle Belästigung beklagen, seien in Wahrheit frigide Kampflesben, die man nur einmal ordentlich durchnudeln müsse. Er sei bereit, sie alle persönlich im Oval Office von ihrer Hysterie zu heilen. Sofort erntet Trump empörte Reaktionen von Meryl Streep, dem Papst und Katrin Göring-Eckardt. Darauf wird mehrere Tage lang in den Medien erbittert über die Frage gestritten, ob das Problem der frigiden Kampfleben bislang nicht möglicherweise doch unterschätzt wurde. Erst nach knapp einer Woche stellt die Weltöffentlichkeit überrascht fest, dass irgendjemand in der Zwischenzeit fünf Atombomben über Kanada abgeworfen hat.

Februar:

Die Koalitionsverhandlungen in Deutschland ziehen sich hin. Der überraschend zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählte Benno Schnulz, stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Peine und früherer Steuerberater von Gerhard Schröder, stellt harte Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung der Sozialdemokraten: Der Terminus „Koalition“ müsse in allen offiziellen Dokumenten durch das Wort „Opposition“ ersetzt werden, den SPD-Ministern müsse es gestattet sein, ihr Amt anonym auszuüben, und die CDU müsse vertraglich zusagen, keine der sozialen Errungenschaften der Agenda 2010 anzutasten. „Unter diesen Bedingungen, und nur unter diesen, sind wir bereit, in eine große Opposition einzutreten“, so Schnulz in einer mitreißenden Rede auf einem Sonderparteitag in Peine. Auf diese Forderungen angesprochen, erwidert Bundeskanzlerin Merkel: „Deutschland ist ein schönes Land voller guter Menschen.“

März:

Unter dem Hashtag #NoSmartism sorgt eine neue Antidiskriminierungskampagne im Internet für Aufsehen. Ihre Anhänger fordern ein Ende der Benachteiligung dummer Menschen. Als Gast der Talkshow von Anne Will erläutert die Internetaktivistin Anke Domscheit-Berg die Bewegung: Dummen Menschen werde es in der Gesellschaft sehr schwergemacht. Sie würden im Alltag oft verspottet und gemieden. In Büchern und Filmen, selbst in solchen für Kinder, stelle man dumme Menschen unvorteilhaft dar. In der Schule erhielten sie schlechtere Noten und im Beruf hätten sie kaum Chancen auf eine Karriere. In den Aufsichtsräten großer Firmen und im Bundestag seien Dumme erschreckend unterrepräsentiert. Widerspruch erntet die Aktivistin in der Sendung wie erwartet vom CSU-Politiker Alexander Dobrindt. Das Gejammer über Diskriminierung sei völlig überzogen. „Ich zum Beispiel bin außerordentlich dumm!“, so der bayrische Konservative. „Und ich habe es trotzdem zum Spitzenpolitiker gebracht!“

April:

Zur Eröffnung der sachsen-anhaltinischen Landesgartenschau in Burg bei Magdeburg hält Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unter dem Titel „Lasst tausend Blumen blühen“ die Festansprache. Steinmeier würdigt ausführlich die Bedeutung der Gartenkunst im Allgemeinen und Speziellen, spricht eine Stunde über die Rolle der Blume in der abendländischen Literatur, für die Demokratie und bei Rentnergeburtstagen. Die Rede des Staatsoberhauptes fordert insgesamt drei Todesopfer, Zuhörer, die während der Ansprache ins Koma fallen und auch durch Behandlung in Spezialkliniken nicht wieder zu Bewusstsein zu bringen sind.

Mai:

Reichlich verspätet erblickt nach fast zehn Monaten Tragezeit das dritte Kind von Prinz William, Duke of Cambridge, und Catherine, Duchess of Cambridge, in Großbritannien das Licht der Welt. Getauft wird der Sohn auf den Namen Jürgen, zur Erinnerung an die deutsche Herkunft der britischen Dynastie. Die erwartete Euphorie bleibt überraschend aus. „Das ist ja doch eigentlich nur ein neuer Hosenscheißer wie Millionen andere, noch dazu aus einer eher unsympathischen Familie von arbeitsscheuen Wichtigtuern. Mit diesem ganzen Royal-Mist will uns die Kulturindustrie sowieso nur von den wahren Klassenkonflikten ablenken!“, so äußert ein Londoner Taxifahrer bei einer Straßenbefragung stellvertretend für alle.

Juni:

Im Golf von Mexiko bildet sich der stärkste je beobachtete Tropensturm. Meteorologen erfinden für den Hurricane Juanita eigens die neue Kategorie 7. Nachdem Juanita bei New Orleans auf die Küste trifft, zieht sie eine Schneise der Verwüstung durch die USA, bis sie endlich nach einer knappen Woche ihre zerstörerische Kraft über Idaho verliert. Wissenschaftler machen für den Hurricane den Klimawandel verantwortlich. Präsident Trump hingegen beschuldigt die Mexikaner, gemeinschaftlich in den Golf von Mexiko uriniert zu haben, um so das Meerwasser zu erwärmen und Wirbelstürme gegen die USA auszulösen. Er verspricht, eine Mauer nicht nur gegen Mexikaner, sondern auch gegen Hurricanes zu errichten, die höchste Mauer aller Zeiten, eine Mauer babylonischen Ausmaßes.

Juli:

Bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland überrascht die Mannschaft der Gastgeber mit einem Durchmarsch: Ohne Niederlage und Gegentor stürmen die Russen ins Finale und bezwingen am 15. Juli in Moskau die deutsche Mannschaft mühelos mit 12:0. Gerüchte, der russische Erfolg könne auf Doping zurückzuführen sein, werden umgehend von Präsident Putin persönlich zurückgewiesen. Das kurzfristige Wachstum der russischen Spieler um einen Meter sei allein hartem Training zu verdanken. Zum Beleg verweist Putin vor laufender Kamera auf seinen Penis, dessen Länge sich ebenfalls ohne jede medizinische Hilfe allein durch manuelle Übungen binnen drei Monaten auf fünfzig Zentimeter verzehnfacht habe.

August:

Die alternative Deutschrockband Freiwild spielt als Headliner bei einem Festival unter dem Titel „Rock gegen links“ auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Zu Beginn des Auftritts ruft Philipp Burger, der Poet und Sänger der Gruppe, die 500000 anwesenden Fans dazu auf, sich entschieden für Demokratie und Redefreiheit einzusetzen und sich nicht der Meinungsdiktatur zu beugen. Mit dem Finger weist er dabei auf eine Gruppe von 26 linken Gegendemonstranten vor dem Eingang, die eingekesselt von der Polizei mit Trillerpfeifen und Pappschildern gegen den Auftritt der Band demonstrieren. Bei dem dreitägigen Musikfest, das wegen des großen Erfolgs von nun an jährlich stattfinden soll, performen unter anderen auch Xavier Naidoo, Frank Rennicke und die Sächsische Staatskapelle.

September:

Eine von Bundestag und Bundesrat im Frühjahr einstimmig verabschiedete Verfassungsänderung zur Erleichterung direkter Demokratie zeigt erste Ergebnisse. Bei der ersten bundesweiten Volksbefragung entscheiden sich die Deutschen jeweils mit überwältigender Mehrheit für die Wiedereinführung der Todesstrafe, die Anhebung der Promillegrenze im Straßenverkehr auf 2,5, den vollständigen Abriss von Berlin-Neukölln, die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie die Rassentrennung in Bussen und Bahnen. Während die Alternative für Deutschland den Sieg aller ihrer Volksbegehren feiert, räumt Anton Hofreiter von den Grünen ein, man müsse in seiner Partei doch vielleicht noch einmal intensiver darüber diskutieren, ob die Sache mit der Basisdemokratie wirklich so eine gute Idee sei.

Oktober:

Zum Gedenktag der Reformation am 31. Oktober beschwert sich die ehemalige Bischöfin und Glaubensbotschafterin Margot Käßmann, schon ein Jahr nach dem Reformationsjubiläum sei die bedeutendste Stimme der evangelischen Theologie kaum noch im Gespräch. „Wann kommt endlich mal wieder ein Journalist bei mir zuhause vorbei und interviewt mich?“, fragt Käßmann erregt im Telefongespräch mit der Bild-Zeitung. „Es ist Wochen her, dass jemand bei mit geklingelt hat! Dabei hab ich noch so viel zu sagen! Und auch noch zwanzig Flaschen Luther-Wein im Keller!“

November:

Der neue Film von Til Schweiger stürmt gleich am ersten Wochenende an die Spitze der Kino-Charts. Schweiger, der im neuen Streifen wie üblich als Produzent, Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller fungierte, erläutert in Interviews, sein Werk „Grütze im Kopf“ sei von der Internet-Kampagne gegen Smartismus inspiriert. „Zum ersten Mal im Leben habe ich durch diese Debatte gespürt, dass ich nicht allein mit meinen Problemen bin“, so Schweiger. Auch sein Film, in dem ein Mann zurück ins Leben findet, nachdem ihm ein Ziegelstein auf den Kopf gefallen ist, solle als Ermutigung für unverschuldet dumme Menschen verstanden werden. Auch die härtesten Kritiker des Filmkünstlers müssen eingestehen, dass Schweiger noch nie im Leben eine Rolle so überzeugend mit Leben gefüllt hat.

Dezember:

Die Koalitionsverhandlungen in Deutschland ziehen sich hin. Der jüngst überraschend zum neuen SPD-Chef gewählte Bernd Schmalz, ein früherer Friseur von Gerhard Schröder, stellt überraschend neue Bedingungen für eine Regierungszusammenarbeit: So müsse die Bundeskanzlerin versprechen, mindestens drei Mal in der Woche die Sozialdemokraten für ihren Mut und ihre Selbstständigkeit zu loben. Außerdem solle sie ihre Anhänger dazu aufrufen, bei der nächsten Wahl aus Mitleid die Zweitstimme der SPD zu geben. In der Union stoßen die Forderungen auf wenig Gegenliebe. In ihrer Neujahrsansprache mahnt Angela Merkel die SPD denn auch zur Kompromissbereitschaft: „Wenn es uns nicht gelingt, endlich eine Regierung zu bilden, dann besteht die große Gefahr, dass die Bürger merken, dass unser Land eigentlich gar keine Regierung braucht.“

Michael Bittner

Donnerstag, 11. Januar: Unsere Lesebühne Sax Royal feiert ihren 13. Geburtstag in der Scheune

Am 11. Januar feiert unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal ihren 13. Geburtstag! Im Jahre 2005 war’s, da taten sich fünf hoffnungsvolle junge Schriftsteller zusammen, um von nun an monatlich in der Scheune dem Dresdner Publikum ihre Geschichten, Gedichte und Lieder zu präsentieren. Die fünf Stammautoren Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth haben seitdem einiges erlebt und durchgemacht. Sie haben Bücher geschrieben, Platten aufgenommen und Filme gedreht. Sie haben Elbefluten, Bierpreiserhöhungen und Montagsspaziergänge überstanden und sogar beschrieben und besungen. Sie sind darob ein bisschen dicker und ein bisschen grauer geworden. Dennoch haben sie noch immer den gleichen Spaß am Schreiben und am Vorlesen wie zu Beginn, nicht zuletzt dank des wunderbaren Publikums, das ihnen über die Jahre treu geblieben ist und das noch immer um neue Fans wächst. Die Royalisten werden dafür sorgen, dass ihr 13. Jubiläum nicht zum Unglückstag ausschlägt, indem sie ihren Gästen wie immer neue Texte und Songs schenken, aber auch ein paar Klassiker aus den vergangenen Jahren. Für einige Überraschungen wird ebenfalls gesorgt sein. Liebe Freunde von Sax Royal, kommt und feiert mit uns!

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne – 13. Geburtstag! | 11. Januar | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune | Vorverkauf: 5 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 5/7 Euro

Zitat des Monats Dezember

„Du müsstest dich eigentlich bei der Linkspartei engagieren!“ – „Bei welcher von beiden?“

Gespräch in Berlin

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Liebe Freunde von Sax Royal! Wir möchten uns bei euch auch an dieser Stelle für ein wunderbares Jahr bedanken! Durch euer reichliches Erscheinen und euren Spaß habt ihr elf wunderbare Lesebühnen möglich gemacht. Bedanken möchten wir uns auch beim Team der Scheune sowie unseren Gästen Ahne, Bruno Kolterer, André Herrmann und Michael Schweßinger, die in diesem Jahr für abwesende Stammautoren eingesprungen sind. Solltet ihr noch letztminütlich Weihnachtsgeschenke suchen, schaut doch mal auf die Unterseite Bücher, wo ihr unsere aktuellen Produkte findet: so den neuen Roman Flugobst von Roman Israel, das neue Buch von Michael Bittner mit dem Titel Der Bürger macht sich Sorgen oder das zauberhafte Kinderbuch Die Dörte und der Unkönig Willy von Max Rademann. Mit einem Kauf macht ihr euren Lieben eine große Freude – und uns auch. Wir wünschen euch ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr. Gut muss es eigentlich schon werden, wenn ihr am 11. Januar in die Scheune kommt, wo wir gemeinsam mit euch den 13. Geburtstag unserer Lesebühne feiern werden!

Donnerstag, 14. Dezember: Lesebühne Sax Royal in der Scheune mit Gastautor Ahne

Der Dezember ist in Dresden traditionell die Zeit der besinnungslosen Besinnlichkeit, als Treibstoff für die allgemeine Weihumnachtung dient hochprozentiger Glühwein. Doch die Dresdner Lesebühne Sax Royal hält am Donnerstag, den 14. Dezember dagegen, mit gescheiten und heiteren Geschichten, Gedichten und Liedern, die Lichter nicht an den Bäumen, sondern in den Köpfen entzünden. Mit dabei sind folgende Stammautoren: Julius Fischer, der komische Liedermacher und Star der Fernsehshow „Comedy mit Karsten“, Roman Israel, der fleißige Schriftsteller, der mit „Flugobst“ gerade wieder einen neuen Roman veröffentlicht hat, Stefan Seyfarth, der dichtende Naturfreund und Erzieher sowie Michael Bittner, der Satiriker, Kolumnist und Autor des neuen Buches „Der Bürger macht sich Sorgen“.

Zum Jahresabschluss haben sich die Royalisten außerdem noch einen ganz besonderen Gast eingeladen: Freut euch auf Ahne aus Berlin, einen Urvater der Lesebühnenszene. Er amtiert noch immer als Mitglied der Reformbühne Heim & Welt, besonders beliebt ist er als Schöpfer der aus Radio und Buch bekannten „Zwiegespräche mit Gott“. Er wird gemeinsam mit den Stammautoren lesen, trinken und vielleicht sogar singen.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne – mit Gast Ahne | 14. Dezember | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune | Vorverkauf: 5 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 5/7 Euro

Zitat des Monats November

Du, meine Mutter ist jetzt total anders drauf! Die ist jetzt superlocker! Das ist echt ein ganz anderes Verhältnis jetzt als früher. Zwei Jahre nicht mit ihr reden hat echt was gebracht.

junge Frau auf Berliner Weihnachtsmarkt zu ihren Freundinnen

Hörproben von Roman Israel

Für alle Freunde des gesprochenen Wortes bietet unser Roman Israel jetzt eine besondere Dienstleistung: Aktuelle Hörproben von ihm, zum Beispiel aus seinem gerade im Luftschacht Verlag erschienenen Roman Flugobst gibt’s auf seinem Soundcloud-Profil zum Anhören. Außerdem hat er ein Kapitel seines Debütromans Caiman und Drache eingelesen sowie einige neue Gedichte. In den nächsten Tagen und Wochen werden noch weitere Gedichte und Geschichten folgen. All das findet man unter: soundcloud.com/romanisrael. Es lohnt sich, denn Roman ist erwiesenermaßen ein ganz hervorragender Vorleser!

Donnerstag, 9. November: Lesebühne Sax Royal mit Kunst-Spezial zum Festival „Literatur Jetzt!“

Zum Festival „Literatur Jetzt!“ 2017 präsentiert unsere Lesebühne Sax Royal mit ihren fünf Stammautoren Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth eine Spezial-Ausgabe ihrer Lesebühne mit Texten rund ums Thema Kunst. Da die fünf Schriftsteller teils selbst auch künstlerisch tätig sind wie der Cartoonist Max Rademann, teils immer wieder mit Künstlern zusammenarbeiten durften wie der multimedial interessierte Roman Israel, wird ihnen gewiss einiges zur Sache einfallen. Die Zuschauer dürfen sich auf heitere Geschichten aus der Welt der Bohème und erhellende Reflexionen über das prekäre Künstlerdasein freuen.

Wer sind die fünf Royalisten? Michael Bittner lebt als freier Autor in Berlin und schreibt Satiren und Kolumnen u.a. für die Sächsische Zeitung und die taz. Jüngst erschien sein neues Buch Der Bürger macht sich Sorgen in der edition AZUR. Julius Fischer ist nicht nur als Autor bekannt, sondern auch als Musiker bei der Band The Fuck Hornisschen Orchestra und als Moderator der MDR-Show Comedy mit Karsten. Er lebt in Leipzig. Immer unterwegs in der Welt, zurzeit aber in Görlitz zuhause, ist der Erzähler und Lyriker Roman Israel. Soeben erschienen ist sein zweiter Roman Flugobst im Luftschacht Verlag. Wie eh und je in Dresden wohnhaft, aber immer wieder auch in seiner alten Heimat, dem Erzgebirge zu Besuch ist Max Rademann. Er ist als Autor, Musiker, Cartoonist, Moderator und DJ das Multitalent der Lesebühne. Besonders für die Dichtkunst zuständig ist schließlich der Dresdner Dichter Stefan Seyfarth. Er kennt sich als Forstwissenschaftler mit der Natur und als Erzieher mit Kindern aus, beide bedichtet er ebenso gern wie das städtische Treiben.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne – Spezialausgabe „Kunst!“ | 9. November | Donnerstag | 20 Uhr | Scheune | Vorverkauf 5 Euro zzgl. Gebühr, Abendkasse: 5/7 Euro

„Literatur Jetzt!“ – Dresdner Festival zeitgenössischer Literatur zum Thema „Kunst“ vom 4. bis zum 14. November 2017

Die Literatur erzählt uns Geschichten, die Bildende Kunst bedarf der Bilder. Oder ist es genau umgekehrt? Eine lange Geschichte und eine Verwandtschaft ersten Grades verbindet die beiden Schwesterkünste – und ihre Protagonisten. Besonders spannend wird es immer dann, wenn die Trennlinien zwischen den Genres verwischt oder gar nicht erst als solche empfunden werden. Genau solchen Grenzgängen zwischen Literatur und Kunst widmet sich in diesem Jahr „Literatur Jetzt!“, das 9. Dresdner Festival zeitgenössischen Literatur, das vom 4. bis zum 14. November 2017 in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stattfinden wird.

Zahllose Schriftsteller und Schriftstellerinnen ließen sich vom reichen Fundus der klassischen und der modernen Malerei anregen, schätzten und erprobten eine Unmittelbarkeit des Ausdrucks, eine Bildhaftigkeit, die im Schreiben schwer zu erreichen ist. Einige malten sogar selbst – wie der 2013 verstorbene Wolfgang Herrndorf. Als Schriftsteller dank „Tschick“ inzwischen ein Klassiker, ist er als bildender Künstler noch zu entdecken. Dresden ist dank „Literatur Jetzt!“ nach Stationen in Berlin, München und Stade der vierte Ort, an dem eine Auswahl seiner Gemälde, satirischen Zeichnungen und Skizzen zu sehen ist – und zwar zum vorerst letzten Mal. Herrndorfs literarisches Werk feiern wir gemeinsam mit der Ausnahmeschauspielerin Sandra Hüller („Requiem“, „Finsterworld“, „Toni Erdmann“), die Herrndorfs Fragment gebliebenen Roman „Bilder deiner großen Liebe“ mit Band-Unterstützung als fulminanten Monolog im Großen Saal des Schauspielhauses darbieten wird.

Der Künstlerroman zählt zu den traditionsreichsten Gattungen der Literatur. Viel zu selten jedoch wird er noch immer aus einer weiblichen Perspektive erzählt, wie in Theresia Enzensbergers Bauhaus-Roman „Blaupause“ – einem der meistdiskutierten Bücher des Herbstes. Die Frage, ob man Kunst und Leben in eins setzen kann, steht auch im Mittelpunkt von Jutta Voigts Buch „Stierblutjahre“ – einem zwischen Roman und Essay oszillierenden Porträt der Bohèmiens des Ostens, das von der Sehnsucht der (Lebens-)Künstlern in der DDR nach einem anderen Leben erzählt. Was Florian Illies als Essayist zu leisten vermag, wissen wir seit dem sensationellen Erfolg von „1913“. Sein neues Buch versammelt Texte zur Kunst und trägt den Titel „Gerade war der Himmel noch blau“. Den Hintergrund für die von Marcel Beyer moderierte Lesung wird eine Staffelei mit einem Original- Gemälde von Caspar David Friedrich bilden. Für unsere lyrische Reihe haben wir unter dem Titel „Bilder! Gedichte! Nacht der Poesie“ vier bildmächtige Dichterinnen und Dichter verschiedener Generationen eingeladen: Nancy Hünger, Anja Kampmann, Hans Thill und Klaus Merz. Und auch der historische Kunstort Dresden kommt zu seinem Recht: Ralf Günther liest aus seiner historischen Novelle „Die Badende von Moritzburg“, einer erzählerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Dresdner Künstlergruppe „Die Brücke“.

Doch nicht nur die Literatur lässt sich immer wieder von der Kunst inspirieren, auch die Kunst entdeckt literarische Formen des Erzählens für sich – beispielsweise in Form des Comics. Mit Anna Haifisch haben wir eine der derzeit angesagtesten jungen Comickünstlerinnen zu Gast. „The Artist“ heißt ihre aktuelle Graphic Novel, die pointiert und witzig von den hochfliegenden Träumen und dem nagenden Selbstzweifel einer skurrilen Künstlerexistenz erzählt. Im besten Sinne „Old School“ sind dagegen die komischen Cartoonisten OL & Rattelschneck, die ihre Fans in Dresden erstmals mir einer Live-Dia-Show besuchen. Und die kleinen Fans des großen Kinderbuchs dürfen sich gemeinsam mit ihren Eltern auf den Besuch der Autorin und Illustratorin Nadia Budde freuen, die zu Lesung und Werkstatt einlädt.

Auch gesellschaftliche Fragen wie die oft prekären Lebensmodelle des Künstlers in der Gegenwart macht „Literatur Jetzt!“ zum Thema. So stellt der Kunstwissenschaftler und Publizist Wolfgang Ullrich in seiner Streitschrift „Siegerkunst“ die These zur Diskussion, die moderne Kunst diene vielfach wieder wie in feudalen Zeiten den Repräsentationsbedürfnissen der Reichen und Mächtigen. Über ihre ganz persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Kunst und Künstlern berichten die jungen Dichterinnen und Dichter Kaddi Cutz, Karsten Lampe, Christian Ritter, Malte Rosskopf und Leonie Warnke beim Poetry Slam sowie die fünf Stammautoren der alteingesessenen Dresdner Lesebühne Sax Royal, Michael Bittner, Julius Fischer, Roman Israel, Max Rademann und Stefan Seyfarth, die bekannt dafür sind, auch ernste Themen mit Heiterkeit zu behandeln. Bei einer Ausgabe der multimedialen Performance-Reihe „Lyrik ist Happening“ der Musikerin Anne Munka verschmelzen Literatur und Kunst auch noch mit Musik.

Alle näheren Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen gibt’s auf der Festival-Seite zum Programm.

Zitat des Monats Oktober

Die Botschafterin der evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, hat schwere Vorbehalte gegen Halloween-Feiern am Reformationstag. „Das ist ein reines Kommerzfest“, sagte Käßmann der Rhein-Neckar-Zeitung vom Montag. Das Merchandising um die 500-Jahr-Feier der Reformation verteidigte Käßmann jedoch. „Wir hatten Luther-Bier, Luther-Brote und Luther-Playmobil“, sagte Käßmann. Man solle es mit Luther halten: „Der hat gesagt: Das Evangelium kann nur mit Humor gepredigt werden. Und Humor tut der Evangelischen Kirche gut.“

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